2. "Religion" in der Originalserie

 

In der Originalserie wird das Thema Religion zumeist in einzelnen Episoden behandelt, in denen die Enterprise und ihre Bestatzung auf Gottheiten oder religiöse Kulturen treffen.

 

2.1 Der Tempel des Apoll

TOS - Der Tempel des Apoll Zur ersten Kategorie gehört die Folge "Der Tempel des Apoll", in der die Crew der Enterprise von einem übermächtigen Wesen, das sich selbst als den griechischen Gott Apoll bezeichnet, auf dessen Planet festgehalten wird, um ihn hier zu verehren und anzubeten. Die Verehrung der Menschen ist für den Gott unabdingbar, um weiterhin Gott und somit unsterblich sein zu können. Als Kirk ihm das verwehrt, droht er mit dessen Vernichtung.
Um dem zu entgehen, vernichtet die Enterprise die Energiequelle, aus der Apoll seine Macht zieht. Übrig bleibt ein in Tränen aufgelöster Gott, der die andern griechischen Gottheiten bittet, ihn bei sich aufzunehmen, weil er eingesehen hat, dass die Zeit der Götter vorbei ist. Bemerkenswert ist das Schlusswort Kirks: "Wenn ich das so sehe, Pille, muss ich sagen, ein paar Lorbeerblätter hätten wir schon für ihn sammeln können."

Zwei Aussagen zum Thema Glaube und Religion bei Star Trek erscheinen mir hier zentral: Einerseits die Feststellung, dass die Menschen keine Götter mehr brauchen, andererseits die Erkenntnis, dass Gottheiten auch nur Lebewesen, wenn auch in einem weiteren Entwicklungsstatus sind. Beide Feststellungen ziehen sich auch weiterhin durch die Serien.

 

2.2 Die Stunde der Erkenntnis
Die Folge "Die Stunde der Erkenntnis" gehört zu der zweiten Kategorie. Hier trifft die Enterprise auf einem paradiesähnlichen Planeten ein Volk, dessen einziges Bemühen es ist, ihrem Gott, Vaal, den sie als Schöpfer aller Dinge verehren, zu dienen. Dieses Volk selbst hat eine nahezu unbegrenzte Lebenserwartung, Kinder gibt es nicht, weil Vaal u.a. die körperliche Liebe verboten hat.
TOS - Die Stunde der Erkenntnis
Spock beschreibt das Verhältnis zwischen dieser Spezies und ihrem Gott als ein symbiotisches. Pille bezeichnet es dagegen als Stagnation, insofern ihr Leben allein vom Dienst an der Gottheit geprägt ist. Kirk geht sogar noch weiter und bezeichnet dieses Volk als ein unterdrücktes, dem er zur Freiheit verhelfen will, obwohl Spock ihn auf die Funktionsfähigkeit des gesellschaftlichen Systems und die Nichteinmischungsdirektive der Sternenflotte hinweist. Inzwischen hat Vaal erkannt, dass die Anwesenheit der Fremden eine Gefahr für ihn darstellt, haben doch die ersten aus seinem Volk nun begonnen, Erfahrungen in der körperlichen Liebe zu sammeln, und befiehlt die Tötung von Kirk und seinen Leuten. Diese misslingt, Kirk jedoch zerstört den Tempel der Gottheit, die aller Wahrscheinlichkeit nach lediglich ein Computer mit einer rudimentären eigenen Intelligenz war und versucht dem verzweifelt zurück gebliebenen Volk zu erklären, dass auch ohne Vaal die Bäume weiterhin Früchte tragen werden.

Auch in dieser Episode hat sich herausgestellt, dass die Gottheit nicht das ist, was sie zu sein schien. Des weiteren wird hier die Religiosität und die Ergebenheit des Volkes gegenüber ihrem Gott Vaal als eine Form der Versklavung der ganzen Spezies verstanden, aus der Kirk sie, ohne sie nach ihren Wünschen zu fragen, befreit und zu einem nichtreligiösen Leben anleitet.

 

2.3 Star Trek V: Am Rande des Universums
Die Gottheit aus Star Trek V Auch der fünfte Spielfilm "Am Rande des Universums" behandelt die Themen Religion und Glaube. Das Drehbuch stammt von William Shatner und nimmt Ideen auf, die Roddenberry bereits für den ersten Spielfilm im Blick hatte, aber nicht umgesetzt konnte. In diesem Film geht es um einen religiösen Fanatiker, der auf der Suche nach Gott die Enterprise kapert und den größten Teil der Besatzung zu seinen Ansichten bekehrt. Wie schon früher stellt sich auch dieser Gott als ein Lebewesen heraus und nicht als allmächtige Gottheit.

Die Idee für das erste Drehbuch 1975 von Roddenberry ging ebenfalls von einer übermächtigen Entität aus, die sich auf dem Weg zur Erde befindet und hier auf die Enterprise treffen sollte. Es sollte zu einem Kampf kommen, bei der sich die Entität auf der Enterprise manifestieren und behaupten sollte, sie habe die Erde schon oft besucht. Als Beweis würde sie dabei unter anderem die Gestalt von Jesus Christus annehmen. Weiter würde das Wesen beginnt an Stirn, Händen und Füßen zu bluten und Kirk um Hilfe biten, die dieser ihm verweigert. Nach einer letzten erfolglosen Kraftanstrengung würde die Enterprise das Schiff der außerirdischen Identität zerstören. Den Abschluss dieses geplanten Spielfilms sollte eine Reflexion über die Rolle er Religion sein:
"Nach diesen Geschehnissen […] machen wir uns Gedanken darüber, ob sich die Menschheit vielleicht endlich über das Bedürfnis nach Göttern hinausentwickelt hat und jetzt fähig ist, die Verantwortung für sich selbst und ihre Entscheidungen zu übernehmen, ohne durch religiös induzierte Konzepte wie Furcht, Schuld oder göttliche Intervention eingeengt zu werden" (Shatner, Filme 57f). Diese Sätze fassen meines Erachtens noch einmal die Stellung Roddenberrys zu dem Phänomen Religion treffend zusammen.

 

2.4 Die Rolle des Halbvulcaniers Spock
Ein weiterer Aspekt von Religion begegnet uns in den Originalfolgen in der Gestalt des Halbvulcanier Spock. In den Folgen, in denen die vulcanische Tradition Spocks thematisiert wird, gibt es immer wieder religiöse Aspekte, denen Kirk und die Crew der Enterprise jedoch auch eher kritisch gegenüber stehen, zumal sich z.B. in der Folge "Weltraumfieber" die religiösen Praktiken, denen sich Spock unterziehen muss, als nicht nur für ihn gefährlich erweisen.

Die kritisch bis ablehnende Haltung gegenüber Religionen und ihren Praktiken ist also im Rahmen der Originalserie ein durchgängiges Motiv.

 

 

1. Einleitung
2. "Religion" in der Originalserie
3. "Religion" bei Next Generation
4. "Religion" bei Deep Space Nine
5. "Religion" bei Voyager
6. Zusammenfassung